Das Leben mit und während der Krise 2020

Das Leben mit und während der Krise 2020

30. April 2020 0 Von seidel.lu

Ich habe sie: Die perfekte Maske. – Das heißt, eigentlich habe ich die perfekte Nasen-Mund-Abdeckung für mich. Liebevoll »mein Maulläppchen« genannt begleitet mich mein Visier nun durch den Alltag. Stilvoll.

Ich habe eine schwarze Maske mit orangefarbenen Streifen auf. Es sind insgesamt 4 Streifen, die unwillkürlich angeordnet scheinen.

Stilvolle Maske

Aber halt: Was ist denn in der heutigen Zeit als »Alltag« zu bezeichnen? Denn eines steht ja mal fest: Der Alltag, wie wir ihn früher gekannt haben, ist ein für allemal vorbei und wird auch auf kurze Sicht nicht wieder kommen.   

Persönlich halte ich nichts von den ganzen Verschwörungstheoretikern und halte mich eher an die ausgebildeten Virologen des RKI oder Prof. Drosten von der Charité. Kennt ihr seinen Podcast schon?

Mein persönliches Leben hat sich deutlich entspannt. Die Jagd von Termin zu Termin ist natürlich deutlich reduziert und damit auch der Stress, den ich mir damit immer selbst gemacht habe. Termine, die vormals immer vor Ort und zwingend persönlich stattfinden mussten, finden nun – o Wunder – als Videokonferenz im Web statt und auch das funktioniert doch fast wie im persönlichen Miteinander vor Ort. Also erste Erkenntnis ist schon einmal: Digitalisierung funktioniert. Ausbaufähig, aber es funktioniert.

Zurzeit gehe ich nicht einkaufen. Meine Geschwister tun das für mich. Einmal die Woche. Reicht ja auch. Beschränkt man sich eben nicht nur auf die nächsten zwei Tage, sondern überlegt für eine Woche. Anfangs komisch, da nicht immer zwingend nach Appetit gekocht wird, sondern mit dem, was eben gerade im Kühlschrank ist. Passt aber auch. – Schokolade vergessen aufzuschreiben? Wird sie halt nächstes Mal gekauft. Schadet dem Körper jetzt nicht. Und die Seele verkraftet es auch mal. Gibt ja noch Nutella für’s Brot. – Zweite Erkenntnis: Besinne Dich auf das, was Du hast und sei kreativ.

Was ich weiterhin tue ist, dass ich mich mit ausgewählten Personen zum Teetrinken verabrede und mein soziales Leben zwar auf einen engeren Kreis beschränke, aber es dennoch auch persönlich pflege. Davon lass ich mich auch nicht abhalten. – Natürlich ist auch dies mit einem Risiko verbunden. Trotzdem: Jegliches Risiko ist nicht auszuschließen. Und was nutzt mir eine körperliche Gesundheit mit einer erkrankten Seele? Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ist nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Leben. – Dritte Erkenntnis: Das Risiko minimieren, aber dem Leben nicht aus dem Weg gehen. Auch die Seele braucht Pflege.

Habt ihr auch einen Garten? Der muss vielleicht mal auf Vordermann gebracht werden. – Mein Papierkram, ich gebe zu, dass ich dies oft und gerne mal aufschiebe, ist mittlerweile schon fast beseitigt. Hat auch gedauert und wird auch sicher noch etwas dauern. Aber hier kann ich Zeit einfach zu Hause sinnvoll investieren. – Dann lese ich natürlich wieder mehr und viel und super gerne. Netflix, Amazon Prime, Disney+ – gefühlt kann das auch nicht »alle gehen« und es kann immer wieder etwas Neues entdeckt werden.

Ich auf einem Waldweg im Rollstuhl. Links ist der Beginn einer Wiese zu sehen. Rechts noch kahle Bäume. Im Hintergrund steht eine Linde. Blauer Himmel ist zu sehen.

Waldspaziergang/-fahrt

In meinem Garten halte ich Hühner und gerade habe ich wieder einige Küken und noch weiter brütende Hennen. Es ist schön, dieses neugeborene Leben zu erleben. – Erkenntnis Nr. 4: Zeit kann umgenutzt und liegengebliebenes Zeug beseitigt werden. Am Ende ist man froh, es geschafft zu wissen.

Die beruflichen Termine, die ich sonst natürlich vor Ort wahrnehme, finden ebenfalls als Telefoncoachings an. Gemeinsam mit meinen Klienten bringen wir Persönlichkeitsentwicklung voran, Problem- und Stressbewältigung und viele andere psychologischen Themen bringen wir zu einem Abschluss mit Lösung. Gerade in Krisenzeiten mit ungewissem Ausgang ist dies wichtig.

Deswegen schließe ich mit der Erkenntnis Nr. 5, die wohl auch eine wesentliche Erkenntnis ist: Sorgt für Euch und sprecht über Ängste, Sorgen und Nöte. Teilt aber auch Hoffnungen, Lösungen und Ideen miteinander. Macht Euch gegenseitig Mut und baut auf die Solidarität der Gesellschaft. Hinterfragt, was euch erzählt wird und habt den Mut auch mal Kritiken zu äußern oder anzuerkennen.

Wir sehen uns alle, gesund und voller Lebensfreude zurzeit überall auf den sozialen Kanälen und alsbald bestimmt auch wieder persönlich. Bis dahin achtet auf euch und versucht gesund zu bleiben.