Umbenennung Hindenburgstraße
Eigentlich wollte ich mich gar nicht öffentlich zu dem Thema ‚Umbenennung der Hindenburgstraße’ im allgemeinen und auch nicht im speziellen in Northeim äußern.
Nachdem aber im gestrigen Kulturausschuss der Stadt Northeim das Thema sehr kontrovers und teils leidenschaftlich beleuchtet und diskutiert wurde, habe ich diesbezüglich meine Meinung geändert:
Auf Nachfrage bin ich von Anfang an offen mit meiner Meinung umgegangen und mache keinen Hehl daraus, dass ich auf jeden Fall für die Umbenennung der Hindenburgstraße bin. – Zwar hätte ich an der Stelle lieber passend zum dortigen Viertel den Namen einer bekannten DDR-Dichterin, wie z.B. den Namen von Eva Strittmatter gesehen und würde Sophie Scholl lieber mit einer eigenen Straße ehren. Doch ich kann auch verstehen, was Grüne und SPD mit der Namensgebung zum Ausdruck bringen wollen.
Und, um gleich dabei zu bleiben: Ja, ich sehe die Benennung einer Straße mit einem Namen als Ehrung der Person und nicht als eine Erinnerung an diese und deren Wirken. Ich jedenfalls würde mich durch eine Benennung einer Straße nach mir doch schon sehr geehrt fühlen.
Beleuchten wir doch nur einmal den Zeitpunkt der ersten Umbenennung der damaligen Bergstraße: Am 20. April 1933 wurde anlässlich des Geburtstages von Adolf Hitler und zwar als Ehrung Hindenburgs durch die Nazis. – Und allein dieser Grund wäre genug für eine Umbenennung zu plädieren!
Doch auch wenn andere Zeitaschnitte des Wirkens Hindenburgs betrachtet werden, so werden Suchende schnell fündig in übereinstimmenden Bildern, dass Hindenburg als kaisertreuer Bürger mit seinem Wirken auch bewusst auf eine Diktatur hingearbeitet hat und in der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler einen Ausweg für sich aus einer Demokratie gesehen hat. – So hat er also im Gegenteil zu dem von vielen genutzten Argument, dass er keine Wahl hatte und ihn als Opfer gesehen haben. Dies war er allerdings so gar nicht: Hindenburg sah sich selbst ohne Wahl. Doch er hat in Hitler seinen Ausweg gesehen und einen Weg in eine nationale Volksgemeinschaft.
Dies ist im Übrigen nachzulesen in dem Vortrag von Professor Hans-Ulrich Thamer, der vor allem von der CDU (auch in Northeim) zitiert wird und aus dem sie herauslesen wollen, dass dieser gegen die Umbenennung der Hindenburgstraßen in Deutschland ist.
Dem selben Aufsatz ist zu entnehmen:
„Bliebe der Straßenname Hindenburg erhalten und würde nur mit einer zusätzlichen Schrifttafel auf die historische Rolle Hindenburgs verwiesen, dann drohte diese Form der historischen Aufklärung in der öffentlichen Wahrnehmung den Kürzeren zu ziehen, weil der Beibehaltung des Namens das größere Gewicht zukäme und weil Erinnerung stets auch mit affektiven, ins Persönliche gehenden Haltungen und Wahrnehmungen verbunden ist, die stärker sind als andere, kritische Einsichten. Die umgekehrte Lösung, nämlich den Straßennamen zu ändern und den an den bisherigen Namen durch ein Zusatzschild zu erinnern, dürfte nicht verschweigen, was sich mit der einstigen Namensgebung verband und welche Motive bei der Ehrung wie bei der Umbenennung bestimmend waren.”
Ich denke, dass dem nichts hinzuzufügen ist und eine Umbenennung (ich betone ausdrücklich: unter Berücksichtigung der entstehenden Kosten für die Anwohnenden) nicht mehr lange hinausgezögert werden kann.
Und sind wir mal ganz ehrlich: Wer von uns hält schon unter einem Straßennamen an und liest dessen Bedeutung nach? Ich tue dies nur, wenn ich Zeit habe und zum Zwecke des kulturellen Besuches in einer Stadt bin und nicht, wenn ich auf dem Weg von A nach B bin.